Pädagogisches Konzept des Vereins Kollhorst e.V.
Präambel
Der Naturerlebnisraum „Alte Stadtgärtnerei Kollhorst“ liegt im Kieler Stadtteil Hasseldieksdamm auf dem vor 15 Jahren brach gefallenen Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei Kollhorst. Gemeinsam mit den benachbarten feuchten Grünlandflächen und Obstbaumwiesen wurde das Gebiet 1994 als erster Naturerlebnisraum (NER) in Schleswig-Holstein anerkannt. Laut Satzung ist das Ziel des Vereins Kollhorst e.V. die Planung, Entwicklung und Durchführung eines – im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung stehenden – Naturerlebniszentrums in der Landeshauptstadt Kiel. Von gleicher Wichtigkeit ist dem Verein dabei die Kooperation und Vernetzung mit Initiativen und Verbänden sowie die pädagogische Arbeit im Naturerlebniszentrum.
Aufgrund der Lage im Grüngürtel der Stadt Kiel und der ökologisch vielfältigen Naturraumausstattung ist der ca. 8 ha große NER ein besonders geeigneter Ort der direkten Naturbegegnung. Im Zusammenspiel mit dem Naturerlebniszentrum können hier in verschiedenen Bereichen des Geländes umweltpädagogische Ziele mit unterschiedlichen Schwerpunkten verfolgt werden (vgl. Ziele und pädagogische Leitlinien). Dabei lassen sich verschiedene Formen des außerschulischen Lernens "vor Ort“ verwirklichen. Diese sind angesichts des mit der Veränderung der Kindheit verbundenen Verlustes an Primärerfahrungen und des rapide zunehmenden Medienkonsums dringend notwendig. Im Mittelpunkt der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit den Themenschwerpunkten der pädagogischen Arbeit in Kollhorst steht das persönliche Lebensumfeld, das sich in dem Gelände des NER und seiner Umgebung widerspiegelt. Allgemein sind die Themen so ausgewählt, dass in erster Linie eigene Erfahrungen Berücksichtigung finden, die...
- die Sinne und Gefühle ansprechen,
- alltägliche Sachverhalte aufgreifen,
- sich handlungsorientiert umsetzen lassen,
- eine unmittelbare Betroffenheit hervorrufen,
- eine gesellschaftliche Bedeutung besitzen.
Regionales Lernen in diesem Sinne betrifft den ganzen Menschen und fördert ein emotionales und aktives Verhältnis zur Mitwelt, ein "Lernen mit allen Sinnen", welches im Bildungskonzept der schleswig-holsteinischen Naturerlebnisräume besonders betont wird.
Regionales Lernen schafft Betroffenheit sowie ein hohes Maß an Motivation und ist ein wichtiges Feld für die Entwicklung persönlicher Identität im Spannungsfeld von Regionalität und Universalität ("global denken – lokal handeln"). Regionales Lernen steht somit in engem konzeptionellen Zusammenhang mit den Bildungsaspekten der Agenda 21. Die Arbeit von Kollhorst e. V. stellt ein Agenda 21-Projekt dar, indem es die für eine zukunftsfähige Entwicklung wesentlichen Bereiche auf lokaler Ebene mit dem Thema Bildung verknüpft.
Ziele und pädagogische Leitlinien
Arbeitsschwerpunkt Bildung
Leitlinie von Kollhorst e.V. ist es, im außerschulischen Lernort Kollhorst eine Fülle von Primärerfahrungen und Aktivitätsmöglichkeiten zu bieten. Dabei werden in verschiedenen Teilbereichen des NER-Geländes umweltpädagogische Ziele mit unterschiedlichen Schwerpunkten verfolgt:
- Naturerlebniszentrum: In dem mit Reet gedeckten, denkmalgeschützten Fachhallenhaus werden seit 2002 Veranstaltungen und Ausstellungen zum Thema Natur und Umwelt angeboten. In 2006 wurden ein direkt ans Haus angrenzender Sinnes- und Bauerngarten eingeweiht.
- Grünlandbereich: Nach einer Beweidung mit Hochlandrindern wird nun eine kontinuierliche Beweidung mit Schafen angestrebt, um Besucherinnen und Besuchern den Zusammenhang zwischen Biotoppflege, Artenschutz und Beweidung vor Augen zu führen. Die Schafe sollen wiederum in die naturpädagogische Arbeit mit einbezogen werden („vom Schaf zur Wolle“).
- Obstbaumwiese: In dieser uralten Kulturlandschaft läßt sich nachvollziehen, wie sich Nutzungsinteressen mit Arten- und Biotopschutz vereinbaren lassen.
- Der Naturerlebnisraum selber bietet in allen Bereichen viel Platz für die Naturbeobachtung, Ruhe und sinnliches Naturerleben.
Die praktische Bildungsarbeit von Kollhorst e.V. steht unter der Leitlinie „vom Naturerleben über das Regionale Lernen zur Bildung für Nachhaltigkeit“. Regionales Lernen, das ein Kernstück moderner Umweltbildung darstellt, verbindet fächerübergreifend schulisches mit dem außerschulischen Lernen und bietet Kollhorst ein breites Feld von Entfaltungsmöglichkeiten. Es umfasst Lernprozesse, die sich auf die eigene Region und die umgebende Lebenswelt in Geschichte und Gegenwart beziehen, aber auch über diese hinausweisen. Die urbane Lage des Naturerlebniszentrums sowie die Einbindung in den Naturerlebnisraum mit seinen historischen Wurzeln in der alten Stadtgärtnerei ergeben die besonderen Themenschwerpunkte Naturerleben, Stadtökologie und Garten/Kulturlandschaft.
Die von Kollhorst e.V. seit vielen Jahren durchgeführten Veranstaltungsreihen umfassen ein breites Spektrum unterschiedlicher naturpädagogischer Aktivitäten für verschiedene Altersgruppen. Inhaltlich werden dabei sowohl das klassische „Naturerleben“, Veranstaltungen zum Kennenlernen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und zum spielerischen und experimentellen Arbeiten mit Naturmaterialien (Färben mit Pflanzenfarben, Wolle verarbeiten, Steine bestimmen, LandArt) angeboten.
Didaktisch steht bei den Veranstaltungen das spielerische und entdeckend-forschende Lernen im Vordergrund.
Das Programm und die Projektangebote von Kollhorst e. V. richten sich vorwiegend an Kitagruppen, Schulklassen aus dem Grundschul- und Sek-I-Bereich, im Bereich des Sozialen Lernens auch an ältere SchülerInnen (vgl. Naturschule). In der Erwachsenenbildung spielt die Multiplikatorenweiterbildung eine Rolle und im Rahmen der regionalen Fortbildung sollen zukünftig auch LehrerInnen eine Zielgruppe werden.
Schwerpunktthema Naturerleben
Nach dem Landesnaturschutzgesetz sollen Naturerlebnisräume den BesucherInnen ermöglichen, nicht nur Natur und Naturzusammenhänge, sondern auch den Einfluss des Menschen auf die Natur zu erfahren.
Sie sollen gelebtes Miteinander sein und den Menschen aktiv in die Natur einbeziehen. Naturerlebnisräume sollen viele Menschen erreichen und für Natur begeistern.
Thematisch geht es dabei um das Erleben von Naturästhetik, das Kennenlernen der Vielfalt von Flora und Fauna, die Erkenntnis von historisch gewachsener Kultur und Landschaft. Methodisch geht es Kollhorst e.V. um die originale Begegnung mit Natur, um sinnliche Wahrnehmungen, die schließlich in Naturerkenntnis und Naturverständnis münden sollen. Für Kollhorst e.V. steht hierzu die personale Vermittlung mit ihrem gemeinschaftlichen Spielen, Beobachten und nicht zuletzt Vorleben der eigenen Freude an Natur im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit.
Schwerpunktthema Stadtökologie
Das Thema Stadtökologie spielt für das Umweltbildungszentrum Kollhorst in der Großstadt Kiel eine besondere Rolle. Dieser Themenschwerpunkt bietet neben Angeboten zu ökologischen Untersuchungen der Tier- und Pflanzenwelt Projektangebote zur Verwendung städtischer (Brach-)Flächen als Erlebnis- und Naturspielraum für Kindergärten, Schulen und weitere Interessentengruppen.
Innerhalb dieses Schwerpunktthemas lassen sich beispielhaft die Möglichkeiten nachhaltiger Bildung für einen stadtnahen Erholungsraum mit seinen historisch gewachsenen Besonderheiten (Stadtgärtnerei, Streuobstwiese, Kleingartensiedlung ...) und der damit zusammenhängenden Kulturlandschaftsentwicklung aufzeigen. Hierbei können insbesondere die stadtökologischen und sozio-kulturellen Wechselbeziehungen zwischen der ehemaligen gärtnerischen Nutzung und den Ansprüchen an ein Naherholungsgebiet Berücksichtigung finden.
Mittelfristig sollen Projekte für verschiedene Zielgruppen zum Thema erarbeitet werden.
Schwerpunktthema Garten/ Nutzung von Natur
Gärten – insbesondere naturnahe – erfüllen eine ganze Reihe an ökologischen und sozialen Funktionen. Sie sind Orte der Entspannung und Erholung für ihre BesitzerInnen, sie sind Orte der intensiven Naturbegegnung (nicht nur) für Kinder, sie sind Spielplatz, wertvolle Horte alter Nutzpflanzen und Lebensraum für eine Vielzahl von z. T. selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten.
Darum wird in Zukunft diesem Themenbereich ein noch größeres Augenmerk gewidmet sein. Hierzu sollen insbesondere die Gärten und Streuobstwiesen genutzt werden, um weitere handlungsorientierte Lernmöglichkeiten zu diesem Thema anzubieten. Auf den an das Zentrum angrenzenden Brachflächen gibt es Gelegenheit in einem KinderGarten eigene Gemüsebeete anzulegen, das Prinzip des Pflegerischen in die Praxis umzusetzen, mit Pflanzensaat zu experimentieren oder Sukzessionsflächen zu erforschen.
Im NER selbst wird das Thema Streuobstwiesen behandelt. Obstwiesen und -weiden sind typische Kulturlebensräume, die vielerorts noch zur Belebung des Landschaftsbildes beitragen. Entstehung und Ökologie der Obstwiesen sowie die für den Erhalt notwendigen Pflegemaßnahmen werden thematisiert und Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Nutzung durch Obstvermarktung aufgezeigt.
Innerhalb dieses Schwerpunktthemas lassen sich beispielhaft die Möglichkeiten nachhaltiger Bildung für einen stadtnahen Erholungsraum mit seinen historisch gewachsenen Besonderheiten (Stadtgärtnerei, Streuobstwiese, Kleingartensiedlung ...) und der damit zusammenhängenden Kulturlandschaftsentwicklung aufzeigen. Hierbei können insbesondere die stadtökologischen und sozio-kulturellen Wechselbeziehungen zwischen der ehemaligen gärtnerischen Nutzung und den Ansprüchen an ein Naherholungsgebiet Berücksichtigung finden.
Arbeitsschwerpunkt regionaler Informationsknotenpunkt im Naturerlebniszentrum
Durch die infrastrukturellen Möglichkeiten (Büro-, Tagungs-, und Veranstaltungsräume) des Naturerlebniszentrums Kollhorst bietet sich dieser Ort als regionaler Informationsknotenpunkt für Gruppen aus dem Themenspektrum Natur und Umwelt besonders an. Die bereits seit Jahren bestehenden Kooperationsstrukturen können hierbei sinnvoll genutzt und ausgebaut werden.
Im Einzelnen finden in Kollhorst zu diesem Arbeitsschwerpunkt folgende Aktivitäten statt:
- Kontaktaufnahme zu relevanten gesellschaftlichen Gruppen und Einzelpersonen
- Planungstreffen
- Entwicklung und Moderation von Konzepten
- Öffentliche Vorstellung und Weiterentwicklung der Konzeptvorschläge